Zwei Künstlerinnen eröffnen im Studio Я eine fiktive Boutique für Überlebenskleidung — und legen damit offen, dass der Schutz des eigenen Körpers in Mexiko längst privatisiert ist.
Eine queere Rave-Reihe benennt sich nach dem vor-differenzierten Körperöffnungsprinzip und debütiert im Berliner Ask a punk mit zwei DJs, über die sich nichts Gesichertes sagen lässt — die bewusste Unsichtbarkeit als Geste in einer Stadt, die gerade lernt, ihre Clubkultur ohne Berghain zu buchstabieren.
Das FIND 2026 an der Schaubühne programmiert Katie Mitchells sprachloses Tierstück neben Lepages Cocteau-Hommage und einem dokumentarischen Seenotrettungsdrama — und stellt damit die Frage, ob Theater überhaupt noch menschlich sein muss, um zu berühren.
Rund 300 Arbeiten aus Archivschubladen des Bauhaus-Archiv werden im Museum für Fotografie erstmals als das gezeigt, was sie sind: ein eigenständiges Kapitel der fotografischen Moderne, geschrieben von über zwanzig Künstlerinnen, deren Namen die Bauhaus-Geschichte bislang schuldig geblieben ist.
Marina Abramović verwandelt den Lichthof des Gropius Bau in ein vierstündiges Ritual aus balkanischer Folklore, nackten Körpern und kollektiver Ekstase — und stellt damit die Frage, ob verschüttete Fruchtbarkeitsriten in einem Haus, das Krieg und Teilung in seinen Mauern trägt, eine Energie freisetzen können, die mehr ist als Spektakel.
Femi Kuti bringt seinen Afrobeat ohne Plural-S in den Heimathafen Neukölln — eine polyrhythmische Anklage in einem vergoldeten Ballsaal, der seit Generationen für gewöhnliche Leute gebaut ist.
Eine Frau, die Argentiniens beliebteste Komikerin war, verließ das Fernsehen für Loop-Pedale und Folktronica — am 7. April bringt Juana Molina ihre Klangarchitektur in die Kuppelhalle des silent green, wo die Grenzen zwischen Stimme, Instrument und Raum sich auflösen dürften.
Mudar Al-Khufash bringt mit Dialectics of Erasure eine Lecture-Performance ins Berliner Ringtheater, die ihr Publikum mit einer Kamera konfrontiert und fragt, ob Bezeugen Komplizenschaft ist — siebzig Minuten ohne Ausweg, ohne Auflösung.
250.000 afrikanische Soldaten befreiten 1944 Südfrankreich – und wurden dafür mit systematischem Vergessen bestraft. Im Haus der Kulturen der Welt versucht Bonaventure Soh Bejeng Ndikung mit über dreißig Künstlerinnen und Künstlern, diese Auslöschung sichtbar zu machen, ausgerechnet in einem Gebäude, das selbst als Propagandageste einer Befreiungserzählung gebaut wurde.
Bixiga 70 bringen die verschüttete Geschichte eines Quilombo-Viertels in São Paulo als rein instrumentale Wucht ins Kreuzgewölbe des Gretchen — zehn Musiker, die Afrobeat spielen wollten und dabei ihre eigene afro-brasilianische DNA freilegten.