Nach zwanzig Jahren wagt das Museum für Fotografie den Bruch mit der eigenen Dauerausstellung und übersetzt Helmut Newtons Lebenswerk in einen immersiven Filmraum — ein Versuch, die Legende vom Sockel zu holen, ohne sie zu demontieren.
Ambra aus dem Walbauch, Taxonomie für einen Vogel: Im KINDL fragen zwei Lecture Performances, was passiert, wenn menschliche Ordnungssysteme auf Wesen treffen, die keine Kategorie brauchen.
Im Ballhaus Berlin, einem Tanzsaal, der seine Narben als Dekoration trägt, bauen The Velvet Creepers mit NOCTURNE einen queeren Zirkus für Nachtgeschöpfe — nicht als Weimar-Nostalgie, sondern als körperlicher Anspruch auf ein Erbe, das nie nur Glitzer war.
350 Abschlussarbeiten aus einem Jahrzehnt internationaler Type-Design-Masterstudiengänge ziehen ins Kulturforum ein — und verwandeln eine akademische Leistungsschau in eine begehbare Genealogie der Frage, wie sich Buchstabenformen seit 2016 verändert haben.
Während Berlin an experimenteller Musik erstickt, baut eine monatliche Konzertreihe im Bardo Projektraum still die Szene um, die in der Infrastruktur der Stadt bisher nicht vorgesehen war: FLINTA-Künstlerinnen der Diaspora, die Migration als klangliche Praxis verhandeln.
Siebzig Filme, sechs Weltpremieren, eine Woche lang nur Berlin und Brandenburg: Das achtung berlin filmfestival 2026 stellt in seiner 22. Ausgabe die Frage, was diese Region erzählt, wenn ihr niemand ein internationales Alibi reicht — und das Programm, von Borbála Nagys mehrstimmigem Eröffnungsfilm *Mambo Maternica* bis zu den Hof-Preisträgern im Wettbewerb, deutet darauf hin, dass die Antwort diesmal ungewöhnlich konkret ausfällt.
Zwei Künstlerinnen eröffnen im Studio Я eine fiktive Boutique für Überlebenskleidung — und legen damit offen, dass der Schutz des eigenen Körpers in Mexiko längst privatisiert ist.
Eine queere Rave-Reihe benennt sich nach dem vor-differenzierten Körperöffnungsprinzip und debütiert im Berliner Ask a punk mit zwei DJs, über die sich nichts Gesichertes sagen lässt — die bewusste Unsichtbarkeit als Geste in einer Stadt, die gerade lernt, ihre Clubkultur ohne Berghain zu buchstabieren.
Das FIND 2026 an der Schaubühne programmiert Katie Mitchells sprachloses Tierstück neben Lepages Cocteau-Hommage und einem dokumentarischen Seenotrettungsdrama — und stellt damit die Frage, ob Theater überhaupt noch menschlich sein muss, um zu berühren.
Rund 300 Arbeiten aus Archivschubladen des Bauhaus-Archiv werden im Museum für Fotografie erstmals als das gezeigt, was sie sind: ein eigenständiges Kapitel der fotografischen Moderne, geschrieben von über zwanzig Künstlerinnen, deren Namen die Bauhaus-Geschichte bislang schuldig geblieben ist.