Zwei Künstlerinnen eröffnen im Studio Я eine fiktive Boutique für Überlebenskleidung — und legen damit offen, dass der Schutz des eigenen Körpers in Mexiko längst privatisiert ist.
Sieben Stimmen, vier Stationen, ein Gebäude, das selbst vom Thema handelt: Die Wandering Readings des ilb verwandeln das Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung in eine Lesung, die wie Exil funktioniert — fragmentiert, ohne klaren Anfang, ohne die Möglichkeit, alles mitzubekommen.
Während der Diskurs über KI und Kunst zwischen Apokalyptik und Euphorie pendelt, streitet man auf der EVA Berlin seit 1994 lieber über Metadatenstandards — und genau das macht die 29. Ausgabe am Fraunhofer HHI zur relevanteren Veranstaltung.
Ein Kritiker, der über 200 Filme aus der sowjetischen Zensur befreit hat und Kino nie als etwas Neutrales versteht, seziert am Tag nach der Preisverleihung die 76. Berlinale — und liefert dabei weniger eine Zusammenfassung als eine Fieberkurve der Gegenwart.
Wenige Meter von der Stelle, an der 1989 eine Mauer fiel, verhandelt Berlins Tanzszene zum zweiten Mal über ihre eigene Existenz – zwischen chronischer Unterfinanzierung, freien Probenräumen, die verschwinden, und einem Kultursenator, der diesmal mehr mitbringen muss als Floskeln über „Wertschätzung".
Catherine Opie spricht in der Neuen Nationalgalerie über drei Jahrzehnte Fotografie zwischen queeren Porträts, amerikanischen Vorstädten und politischer Landschaft – als Zeugin, nicht als Aktivistin, in einem Moment, in dem genau diese Unterscheidung wieder auf dem Spiel steht.
Ein 33-jähriger Luxemburger steht im Jahr 2000 vor Kunststudenten in Pasadena und zerlegt die Welt in Samples, zwei Jahre bevor ein Flugzeugabsturz alles beendet – jetzt zeigt das Michel Majerus Estate in Berlin erstmals die Videoaufnahme dieses Vortrags, kommentiert von Stephen Prina, live zugeschaltet aus LA, und die Frage, die Michel Majerus damals stellte, hat sich längst von Prophezeiung in Alltag verwandelt.
Max Richter bekommt die Berlinale Camera, und Chloé Zhao hält die Laudatio – ein Abend, der weniger nach Ehrung klingt als nach der Frage, was passiert, wenn Filmmusik aufhört, Zutat zu sein, und anfängt, das Skelett eines Films zu werden.
Monira Al Qadiri macht aus Öltankern kosmische Allegorien und aus Klimakatastrophen böse Pointen – am 26. Februar kehrt sie in die Berlinische Galerie zurück, um in einer Lecture Performance das Zeitalter fossiler Brennstoffe mit jener Mischung aus Trauer und Slapstick zu sezieren, die nur funktioniert, wenn beides todernst gemeint ist.