Seit dreißig Jahren kuratiert das dokumentART Festival in Neubrandenburg europäisches Kurzfilmkino zwischen Hybrid und Haltung — fast unsichtbar, fast unmöglich finanziert, und genau deshalb eine der ehrlicheren Fragen an die deutsche Kulturlandschaft.
Ein neues Festival in Berlin nennt sich Underground, hat weder Programm noch Venue veröffentlicht und existiert bislang vor allem als Absichtserklärung — genau dort, wo die Spannung zwischen Geste und Substanz am produktivsten wird.
Wenn das Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz in grünes Licht getaucht wird, zeigt das Irish Film Festival Berlin fünf Tage lang, dass irisches Kino weit mehr ist als Oscar-Glamour — und dass ein Saal, der Kolonialismus buchstabieren kann, der richtige Ort dafür ist.
247 Filme in 33 Jahren Isolation, dann fast nichts: Das Albanian Film Festival in Berlin holt ein Kino aus dem doppelten Schatten von Diktatur und europäischer Gleichgültigkeit — und stellt die Frage, was von einer Filmkultur bleibt, die als Propagandainstrument begann und sich heute mühsam aus der Diaspora heraus neu erfindet.
Seit elf Jahren stellt das Final Girls Berlin Film Festival die Frage, wem das Recht zusteht, im Horror Angst zu erzählen — im März kehrt es ins City Kino Wedding zurück, mit einem Programm, das queeren Genre-Film nicht als Nische, sondern als Genrelogik begreift.
Wenn am 7. März in Berlin zum 23. Mal Stummfilme live vertont werden, trifft ein hundert Jahre altes Medium auf die radikalste Gegenposition zur algorithmisch optimierten Gegenwart — nicht aus Nostalgie, sondern weil kein Format so kompromisslos auf den ungesicherten Moment setzt.
Während die Berlinale über die Zukunft des Kinos verhandelt, spielt das Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz sieben Abende lang Stummfilmklassiker mit Live-Orchester — nicht als Nostalgie, sondern als Beweis, dass ein Film erst im Moment seiner Aufführung vollständig wird.
Ein ethnografischer Film über ostdeutsche Frauen, gedreht Anfang der 1980er von der indischen Filmemacherin Chetna Vora, fast physisch zerstört und aus jeder Filmgeschichte gefallen – vierzig Jahre später wird *Women in Berlin* endlich wieder sichtbar, eingeführt von Kurator Rastko Novakovic, nicht als nostalgische Übung, sondern als Konfrontation mit allem, was zwischen Stasi-Akten und Ostalgie nie erzählt wurde.
Im ältesten Kino Berlins, das beinahe an die Immobilienspekulation verloren ging, zeigt das Berlin Independent Film Festival Arbeiten, deren Budgets kleiner sind als das Catering einer einzigen Netflix-Produktion – und genau das ist der Punkt.
Während die Berlinale ihre Maschinerie hochfährt, öffnet die Berlin Critics' Week zum zwölften Mal einen Raum, in dem Filme nicht gefeiert, sondern befragt werden – und in dem der Moment nach dem Abspann genauso zählt wie alles davor auf der Leinwand.