Rund 300 Arbeiten aus Archivschubladen des Bauhaus-Archiv werden im Museum für Fotografie erstmals als das gezeigt, was sie sind: ein eigenständiges Kapitel der fotografischen Moderne, geschrieben von über zwanzig Künstlerinnen, deren Namen die Bauhaus-Geschichte bislang schuldig geblieben ist.
250.000 afrikanische Soldaten befreiten 1944 Südfrankreich – und wurden dafür mit systematischem Vergessen bestraft. Im Haus der Kulturen der Welt versucht Bonaventure Soh Bejeng Ndikung mit über dreißig Künstlerinnen und Künstlern, diese Auslöschung sichtbar zu machen, ausgerechnet in einem Gebäude, das selbst als Propagandageste einer Befreiungserzählung gebaut wurde.
Shilpa Gupta stellt eine vier Meter hohe, begehbare Wahrheit in den Hamburger Bahnhof — und zwingt damit nicht nur Beuys' Erbe, sondern den ganzen Apparat institutioneller Deutungshoheit in einen Dialog, den er nicht kontrollieren kann.
Zum 150. Geburtstag bringt die Neue Nationalgalerie Brancusis Pariser Atelier erstmals seit 1957 nach außerhalb Frankreichs — und stellt damit in Mies van der Rohes Glaspalast die Frage, warum Deutschland einen der einflussreichsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts so lange übersehen hat.
Slavs and Tatars laden bei Rossi & Rossi mit drei Schriftsystemen und einem einzigen Klang zur phonetischen Archäologie der Identität ein — pünktlich zu Nouruz, wenn Grenzen ohnehin ins Rutschen geraten.
Drei Schriftsysteme, eine Frage, null eindeutige Antworten: Slavs and Tatars zerlegen in 胡(هو / who) are you? die Identitätsfrage in so viele Sprachen gleichzeitig, dass sichtbar wird, was sonst im toten Winkel zwischen den Alphabeten verschwindet.
Im Gropius Bau treffen Peter Hujars unbestechliche Porträts einer verschwundenen New Yorker Welt auf Liz Deschenes' abstrakte Lichtarbeiten — eine Ausstellung, die nicht fragt, was Fotografie zeigt, sondern was sie auf der Netzhaut hinterlässt, wenn man die Augen längst geschlossen hat.
Über hundert Ausstellungen in einer Stadt, die selbst eine Übung in Teilung ist: Das EMOP Berlin fragt im März 2026 unter dem Motto *what stands between us* nicht nur nach dem, was uns trennt, sondern danach, welche Rolle Bilder bei der Herstellung dieser Abstände spielen.
Über zwanzig Jahre hat Klara Lidén das Material dieser Stadt in ihre Kunst eingebaut — jetzt gibt Berlin ihr mit einer Einzelausstellung über drei Stockwerke in den KW Institute for Contemporary Art erstmals eine institutionelle Bühne zurück, und die Spannung zwischen Regelbruch und Rahmung wird zum eigentlichen Gegenstand.
In der Halle am Berghain zeigt Pierre Huyghe mit *Liminals* Wesen, die menschlich aussehen, aber hohl sind — und stellt damit nicht die Frage nach künstlicher Intelligenz, sondern nach der Substanz dessen, was wir für unser Selbst halten.