Femi Kuti bringt seinen Afrobeat ohne Plural-S in den Heimathafen Neukölln — eine polyrhythmische Anklage in einem vergoldeten Ballsaal, der seit Generationen für gewöhnliche Leute gebaut ist.
Eine Frau, die Argentiniens beliebteste Komikerin war, verließ das Fernsehen für Loop-Pedale und Folktronica — am 7. April bringt Juana Molina ihre Klangarchitektur in die Kuppelhalle des silent green, wo die Grenzen zwischen Stimme, Instrument und Raum sich auflösen dürften.
Bixiga 70 bringen die verschüttete Geschichte eines Quilombo-Viertels in São Paulo als rein instrumentale Wucht ins Kreuzgewölbe des Gretchen — zehn Musiker, die Afrobeat spielen wollten und dabei ihre eigene afro-brasilianische DNA freilegten.
Imarhan bringen mit *Essam* eine Musik ins Gretchen, die aus Exil, Verwandtschaft und dem Beharren auf eigene Produktionsverhältnisse entstanden ist — und die Frage mit, ob Zuhören in einer Stadt, die sich als offen feiert und zugleich Grenzen zieht, mehr sein kann als Konsum.
Wenn eine Franco-Algerische Cellistin und Sängerin, deren Biografie jede Genreschublade sprengt, auf 48 omnidirektionale Lautsprecher im ehemaligen DDR-Funkhaus trifft, stellt sich nicht die Frage, ob es spektakulär klingt — sondern ob die Technologie die Intimität ihrer Musik verstärkt oder in Effekt auflöst.
Fünf Freunde aus Kairo lieferten 2011 den Soundtrack zum Sturz Mubaraks — jetzt spielen Cairokee in der Huxleys Neue Welt, und die Frage ist, was Revolutionsmusik bedeutet, wenn die Revolution verloren hat.
Dreißig Jahre Endzeitliturgie, kein Wort von der Bühne: Godspeed You! Black Emperor bringen ihre filmprojizierten Crescendi in den Festsaal Kreuzberg – und die Apokalypse, die sie 1997 beschrieben, braucht längst keine Metaphern mehr.
Fünfzig Klaviere, alle anders gestimmt, umzingeln das Publikum in einer Berliner Industriehalle: Georg Friedrich Haas' *11,000 Strings* eröffnet MaerzMusik 2026 mit einem Stück, das die temperierte Stimmung aufkündigt und die Frage stellt, ob Schwebungen zwischen fast identischen Frequenzen den Brustkorb erreichen oder an der Oberfläche bleiben.
Seit 1979 ist die weibliche Solostimme im Iran aus dem öffentlichen Leben verbannt — am 11. März singt Mahsa Vahdat in der Passionskirche in Berlin-Kreuzberg, und der Ort ist kein Zufall.
In einem Saal, der für Streichquartette gebaut wurde, bringt Mari Boine den Joik der Sámi zum Klingen — vier Jahrzehnte musikalischen Widerstands, verdichtet auf die konzentrische Nähe des Kammermusiksaals der Berliner Philharmonie.